Das Müller-Schmidt-Haus (1881) Dodge City, Ford
County, Kansas
Auf einer aus dem Jahre 1882 stammenden Aufnahme, die Dodge City aus
der Vogelperspektive zeigt, ist zu sehen, wie das Müller-Schmidt-Haus
in seiner ganzen Pracht und umgeben von eingepflanzten Bäumen auf einem
Hügel nordöstlich der Stadt liegt. Es war schon damals eines der
herrlichsten Häuser in Dodge City, und das ist es heute noch. Dabei
handelt es sich um das einzige Steinhaus in Dodge City; die Einfachheit
seiner Linienführung wirkt elegant. Es gilt als das älteste Gebäude
in Dodge City, das sich an seinem ursprünglichen Ort befindet.
1875 kam der deutsche Einwanderer John
Müller (Mueller) mit seiner Frau Karoline aus St. Louis nach Dodge City.
Sein Schuhladen in der Hauptgeschäftsstraße "Front Street" lief so gut,
dass er bald in einen Saloon und Rinderherden investieren konnte. Zuletzt
besaß er drei Farmen. 1879 begann er mit dem Bau seines Hauses. Die
Bauarbeiten dauerten nur 18 Monate, so dass das Haus 1881 fertig war.
Ein befreundeter Deutscher, William
Hessmann, wurde als Steinmetz engagiert. Aus dem Steinbruch "Sawlog Creek"
nordöstlich von Dodge City wurde nach Farbe vorsortierter Kalkstein
geholt. Aus demselben Steinbruch wurde Kalkstein für den Bau des Fort
Dodge, Kansas gewonnen. Ein anderer deutscher Handwerker, William Strubel,
besorgte die Holzarbeiten. Mit Walnussholz baute er das spirale
Treppenhaus - eine Besonderheit des Hauses -, zu sehen vom Foyer aus, wie
es sich nach oben windet. Am Treppenpfosten sind Einlegearbeiten aus
Ahornholz zu bewundern.
Vom Foyer aus gesehen befindet sich das
Schlafzimmer auf der linken Seite. Es beherbergt die Sammlung "Ford County
Historical Society's Pioneer Mothers". Das Wohnzimmer ist auf der rechten
Seite. Dort befinden sich einige originale Möbel, wie zueinander passende
Walnussstühle, ein mit Rosshaar gepolsterter Sessel und ein Liebessessel
(love chair) aus Walnussholz. Es gibt auch Möbel, die der Historischen
Gesellschaft gespendet wurden, wie der Tisch, an dem der Gründer von
Dodge City Robert M. Wright das Buch "Dodge City: The Cowboy Capital" 1913
schrieb. Die Schlafzimmer von Emilia und Henry Müller sind im
Obergeschoss. Die Küche ist im Erdgeschoss.
Nach einem Schneesturm im Januar 1886
verlor John seine ganze Herde (75.000 Rinder) und musste sich wieder der
Schuhmanufaktur widmen. Nach zwei verheerenden Bränden in der Front Street
ging er 1890 mit Frau und Sohn zurück nach St. Louis. Seine Tochter
blieb mit ihrem Mann, John Chambliss, in Dodge City. Sie hatten am 12.
Juni 1889 im Wohnzimmer des Hauses geheiratet. 50 Gäste waren bei der
Feier anwesend.
1890 wurden das Haus sowie die Möbel an
Adam und Elisabeth Schmidt für $ 5.000 verkauft. Adam war seit 1874
Schmied in Dodge City; Elisabeth (Betty) war die Tochter von Fred Berg,
dem ersten Bäcker in der Stadt. Karoline Müller und Elisabeth Schmidt
blieben Freunde. Karoline kam oft bei Elisabeth vorbei, wenn sie ohnehin
zu Besuch bei ihrer Tochter weilte.
Adam starb 1911, seine Frau 1938. Ihre
Kinder Heinie (Heinrich), Elma und Lew (Louis) wuchsen in diesem Haus auf.
Heinie und Elma heirateten nie. Sie lebten in diesem Haus bis 1960 und
verkauften es 1965 samt den Möbeln an die Gemeinde (Ford County). Die
Historische Gesellschaft von Ford County verwaltet es bis heute. Nur zwei
Familien haben im Müller-Schmidt-Haus gelebt. Man kann das
Wohnzimmer, die Küche im Erdgeschoss, die Schlafzimmer und
natürlich das Äußere des Hauses im Originalzustand sehen.
(© 2002, Ford County Historical Society, Inc. Alexander Engelbrecht,
translator) |